Krankheitsbild Zöliakie

Definition, Symptome, Diagnose, Therapie

 

Was ist Zöliakie eigentlich?

Zöliakie gehört zu der Gruppe der Autoimmunerkrankungen, d.h. das Immunsystem des Körpers richtet sich gegen den Körper selbst. Im Fall von Zöliakie gegen den Dünndarm. Zöliakie ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht heilbar - d.h. die Erkrankung ist lebenslang. Grund genug, sich etwas näher damit zu beschäftigen. Zumal man als Betroffene/r beschwerdefrei leben kann. Man muss nur wissen wie! Daher haben wir Ihnen hier einige Informationen rund um das Krankheitsbild Zöliakie zusammengestellt, die Ihnen - wie wir hoffen - in prägnanter form die wichtigsten Informationen zu Definition, Symptomen, Diaggnose oder glutenfreier Ernährung zusammengestellt:

Eine standardmäßige Zöliakie Definition gibt es wohl nicht. Bei Zöliakie (auch bekannt unter den Namen Sprue (eigentlich veraltet), glutensensitive Enteropathie, Heubner-Herter-Krankheit, handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die auf einer (nach heutigem Wissensstand) lebenslangen Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten basiert. Genauer:  Der Untergruppe Gliadin.

Einfach ausgedrückt ist Zöliakie eine Kombination aus einer genetischen Prädisposition die zu einer Unverträglichkeit des Klebereiweis Gluten führt. Überwiegend ist Gluten in Dinkel, Gerste, handelsüblichem Hafer, Roggen oder Weizen enthalten. In Folge der Unverträglichkeit entzündet sich der Dünndarm, was – durch die dauerhafte Entzündung – bis zur Entstehung von Darmkrebs führen kann. Die gute Nachricht dabei ist: Zöliakie lässt sich durch eine streng glutenfreie Ernährung bzw. glutenfreier Diät sehr gut in den Griff bekommen.

Zöliakie Definition

 

Verbreitung von Zöliakie und Betroffene

 

Verbreitung von Zöliakie

Bei der Frage der Verbreitung von Zöliakie muss man feststellen, dass es sich um eine der verbreitetsten lebenslangen Erkrankungen handelt. Man geht heute davon aus, dass ca. 1% der Bevölkerung in Deutschland von Zöliakie betroffen ist (weltweit schwank der Prozentsatz zwischen ca. 0,5%-1,4%). Früher wurde der Betroffenenanteil wohl fälschlicherweise viel geringer geschätzt. Dies kam auch daher, weil 80-90% der an Zöliakie erkrankten Personen keine oder untypische Symptome zeigen.

Zöliakie Betroffene

Bei Zöliakie soll es sich um eine der häufigsten lebenslangen Erkrankungen handeln. So soll sich die Zahl der Zöliakie Betroffene in den letzten 40 Jahren verzehnfacht. Dreimal mehr Frauen erkranken an Zöliakie als Männer.  Zöliakie bricht statistisch gesehen am häufigsten im Lebensalter zwischen dem ersten und achten Lebensjahr und dann wieder zwischen dem zwanzigsten und fünfzigsten Lebensjahr aus (o.k., der zweite Zeitraum ist ja auch lang angesetzt).

 

Ursache für Zöliakie

Als Ursache für Zöliakie gilt eine genetische Veranlagung (HLA-DQ2 und HLA-DQ8). Sie ist eine notwendige Voraussetzung für die Krankheit. Ohne diese genetische Veranlagung kann Zöliakie ausgeschlossen werden. Die genetische Veranlagung bedeutet aber nicht, dass bei der/dem Betroffenen Zöliakie auch tatsächlich auftritt. Das Risiko ist nur deutlich erhöht.

Immunreaktion auf Gluten

Nimmt der an Zöliakie Erkrankte glutenhaltige Nahrungsmittel zu sich, kommt es als Immunreaktion auf Gluten zu einer Entzündung im Dünndarm.  Das Gluten, das durch die Darmschleimhaut aufgenommen wird, kann die Immunzellen der Zöliakiebetroffenen aktivieren. Verstärkt wird diese Reaktion noch, wenn das Gluten mit dem Enzym Gewebetransglutaminase, das im Darm vorkommt, reagiert. Es bilden sich dann Antikörper, die im Blut gemessen werden könne. Ähnlich wie bei z.Bsp. Grippevieren wird das Gluten bei Zöliakiepatienten vom Körper als „Feind“ identifiziert.

 

Ursache von Zöliakie & Immunreaktion auf Gluten

 

Verschlechterte Nahrungsaufnahme bei und Folgen bzw. Therapie von Zöliakie

 

Verschlechterte Nahrungsaufnahme durch Zöliakie

Das Gluten hat bei den von Zöliakie betroffenen Personen zur Folge, dass sie die zu sich genommene Nahrung nicht mehr im Dünndarm in ihre Bestandteile aufsplitten können. So gelingt die Nährstoffaufnahme schlecht bis gar nicht. Um diese gut zu gewährleisten ist der Darm eigentlich mit vielen Zotten (Falten) ausgestattet, die dessen Oberfläche vergrößern und so eigentlich die Nahrungsaufnahme erleichtern sollen. Bei Personen, die an Zöliakie erkrankt sind, bilden sich die Zotten aufgrund der Entzündung des Dünndarms zurück (Fachbegriff: Zottenatrophie). So können die Nährstoffe durch den Darm nicht mehr richtig aufgenommen werden, was zu einer Vielzahl von Beschwerden führt.

Folgen einer unzureichenden Nahrungsaufnahme

Neben den Symptomen durch die verschlechterte Nahrungsaufnahme können manche Symptome aber auch durch die Darmentzündung an sich entstehen.  Geheilt werden kann Zöliakie nach heutigem Wissensstand nicht. Für viele Betroffene erschwerend ist, dass Zöliakie oft auch mit Kreuzerkrankungen auftritt.

Therapie von Zöliakie

Die Therapie von Zöliakie liegt in einer lebenslangen glutenfreien Diät. Eine glutenfreie Ernährung ist also lebenslang extrem wichtig.

Symptome für Zöliakie

Eindeutige typische Symptome für Zöliakie existieren eher nicht. Die häufigsten Symptome, die auf Zöliakie hinweisen sind:

  • Appetitlosigkeit und Erbrechen
  • Chronischer Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Fettstuhl (grau-gelbliche Durchfälle, überweigend fettglänzend und sehr schlecht riechend)
  • sark verstärkte Darmgeräusche (gluckernd)
  • Gewichtsabnahme
  • bei Kindern oder Jugendlichen: Wachstumsstörungen
  • häufige Müdigkeit
  • Fehlentwicklung der Zähne (überwiegend bei Kindern)
  • Eisenmangel bis hin zur Blutarmut (Anämie), aber auch Mangelerscheinungen bei Vitamin B12, Vitamin D oder Kalzium können auftreten
  • Knochenschmerzen, Osteopororse, Osteofibrose, Arthritis
  • typisch bei Kleinkindern: abgemagert und stark aufgeblähter Bauch

Aber auch unspezifischere Symptome können auf Zöliakie hinweisen, etwa:

  • Depressionen
  • erhöhte Leberwerte
  • bei Frauen: Störungen des Zyklus/Unfruchtbarkeit
  • Migräne
  • Hautveränderungen, Hauterkrankungen (typischerweise: Dermatitis herpetiformis Duhring (DHD) oder Morbus Duhring; gilt als starker Indikator für eine Zöliakieerkrankung )

Aber Achtung: Man kann auch an Zöliakie erkrankt sein, ohne irgend welche der oben genannten Symptome aufzuweisen. Trotz der fehlenden Darmprobleme sind die Antikörperstests positiv, bzw. stellt man bei Untersuchung eine Schleimhautschädigung des Dünndarms fest (s. Diagnose). Zöliakie kann auch mit anderen Erkrankungen gemeinsam auftreten, (s. Kreuzerkrankungen)

Auslöser für Zöliakie

Zöliakie ergibt sich aus einer genetischen Disposition. Echte Auslöser für Zöliakie  gibt es daher eher nicht. Man vermutet, dass aber auch Umwelteinflüsse und andere Krankheiten Auslöser von Zölikaie sein können. Auch scheinen Stress oder starke Magen-Darm-Infektionen (etwa mit Rotavieren) Auslöser für Zöliakie zu sein.

Zöliakie Diagnose & Diagnostik

 

Wie kann die Diagnose Zöliakie gestellt werden?

Es gibt Schnelltests, die die Betroffenen zu Hause durchführen können. Aber genauso, wie die Stuhltests für Transglutaminase- oder Gliadin-Antikörper weisen sie eine gewisse Unsicherheit in der Diagnostik auf. Daher sollte schon bei den ersten Anzeichen von Zöliakie aus dem Blut des Betroffenen die Antikörper bestimmt werden – und zwar beim Hausrzt oder einem Spezialisten.  Bei ca. 90% der Patienten mit aktiver Zöliakie lassen sich gegen das Enzym Gewebstransglutaminase (tTG-IgA) Antikörper nachweisen. Deutlich weniger, wenn auch mit der gleichen Aussagekraft, finden sich Antikörper gegen das Endomysium (EMA-IgA) oder gegen Gliadin (DGP-IgA). Idealerweise sollte bei dem Bluttest nach allen drei Antikörpern gesucht werden. Dabei kann auch überprüft werden, ob bereits ein Nährstoffmangel, insbesondere ein Eisenmangel, vorliegt. Letztendlich bringt der Antikörpertest aber nur in Kombination mit einer Dünndarmbiopsie (Darmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben) Sicherheit.

Bei der Dünndarmbiopsie handelt es sich um einen relativ risikolosen Eingriff von 15 – 20 Minuten Länge. Dabei wird eine Kamerasonde über Mund, Speiseröhre und Magen in den Dünndarm geschoben und aus verschiedenen Bereichen Gewebeproben entnommen. Im Labor sind dann gegebenenfalls Veränderungen der Schleimhaut erkennbar. In gesundem Zustand verfügt die Darmschleimhaut über viele Ausstülpungen (Zotten) um die Oberfläche des Darms zu vergrößern und damit die Nahrungsaufnahme zu erleichtern. Bei Zöliakie sind diese durch die dauerhafte Entzündung des Darms zurückgebildet, bis hin zur vollkommenen Verflachung.

Die verschiedenen Stadien werden dabei in sie sogenannten Marsh-Kriterien unterteilt.

Einschränkend zu dem oben Gesagten muss allerdings festgestellt werden, dass es sich bei der patologischen Untersuchung um eine subjektive Eindrucksbeschreibung handelt. Diese kann z.Bsp. der Art des Biopsie-Schnittes oder der Information, dass es sich um eine Zöliakie-Diagnose handelt, subjektiven Verfälschungseinflüssen unterliegen. Auf keinen Fall sollte auf eigene Faust „schon mal probeweise“ mit einer glutenfreien Diat begonnen werden. Zum einen könnte dies die Untersuchungsergebnisse einschränken, zum anderen muss man einiges beachten, um sich auch bei Zöliakie ausgewogen zu ernähren. Es gibt nur einen richten Weg: zum Arzt!

Marsh-Kriterien

Die nach Prof. Michael Marsh (britischer Pathologe) benannten Marsh-Kriterien unterteilen den Grad der Veränderung der Darmschleimhaut zwischen einer gesunden Darmschleimhaut und der völligen Verflachung der Zotten:

  • Marsh 0 auf Grund der glutenfreien Ernährung vollständige Regeneration der Darmzotten
  • Marsh I Hier stellt man eigentlich nur eine verstärkte Ansammlung an weißen  Blutkörperchen an der Deckschicht der Darmschleimhaut. Die Schleimhaut selbst unterliegt noch keinen Veränderungen. Daher ist dieses Stadium noch nicht als eindeutiger Nachweis für Zöliakie geeignet.
  • Marsh II Hier beginnt die Veränderung der Schleimhaut. Der Darm versucht hier in den Krypten immer neue Zellen nach zu produzieren. Dadurch kommt es zu einer Verlängerung bzw. Versteifung der Krypten.
  • Marsh IIIa die Darmzotten sind gegenüber dem Normalzustand verkürzt und breiter
  • Marsh IIIb Die Zotten sind nur noch stummelförmig vorhanden
  • Marsh IIIc hier sind die Darmzotten vollständig abgeflacht, die tiefen Krypten der ehemaligen Zotten bleiben aber bestehen.
  • Marsh IV es kommt zur Vernarbung der Schleimhaut

Quelle: Dr. Stephanie Bass, DZG, www.dzg-online.de

Übrigens muss der Grad der Beschwerden nicht zwingend mit dem Grad der Marsh-Kriterien einhergehen. So kann ein Zöliakie Betroffener mit Marsh IIIc kaum oder keine Beschwerden aufweisen, ein Betroffener mit Marsh I aber schon sehr heftige. Daher ist die subjektive Verträglichkeit von glutenhaltigen Speisen auch kein Hinweis auf das Vorliegen von Zöliakie, bzw. das Ausbleiben von Beschwerden keine Garantie, dass die Ernährung auch tatsächlich glutenfrei (ohne Kontamination)  ist.

Marsh-Kriterien zur Kategorisierung

Therapie und Behandlung von Zöliakie

Eine medikamentöse Therapie und Behandlung von Zöliakie existiert bis heute nicht. Zwar laufen Forschungen hierzu, ein verlässliches Medikament existiert aber noch nicht. Trotzdem können Zöliakie Betroffene heute schon beschwerdefrei Leben. Denn durch eine streng glutenfreie Diät, d.h. eine vollkommen glutenfreie Ernährung regeneriert sich der Darm in aller Regel wieder (die Darmzotten bilden sich wieder aus, selbst Entartungen der Darmschleimhaut können sich zurückbilden).

Dies bedeutet allerdings eine radikale Umstellung, nicht nur in der Ernährung, sondern auch in der Organisation Ihrer Küche. Denn das Kontaminationsrisiko, d.h. die Gefahr der Verschmutzung glutenfreier Lebensmittel in der Küche ist enorm, insbesondere wenn in der Familie Zöliakie-Betroffene und Nicht-Zöliakie-Betroffene leben.

Glücklicherweise sind die kulinarischen Einschnitte durch die glutenfreie Ernährung aber nicht mehr so gravierend, wie noch vor einigen Jahren. Zum einen gibt es zwischenzeitlich viele durchaus gutschmeckende glutenfreie Lebensmittel, die die bekannten durchaus ersetzen können, zum anderen gibt es – auch beim glutenfreien Backen – leckere Rezepte, die man auch mit geringer Vorerfahrung mit ein bisschen Engagement gut umsetzen kann.

Vorsicht ist allerdings auf Reisen, insbesondere im Ausland, geboten; wobei man anmerken muss, dass Länder wie Italien oder England Deutschland beim Umgang mit Zöliakie weit voraus sind. Je nach besuchtem Land empfiehlt es sich, eine „Notration“ glutenfreier Nahrungsmittel (insbesondere Brot oder Nudeln) dabei zu haben

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